Was ist SPACES?
Die Würde des Menschen ist unantastbar, lautet der erste Artikel unseres Grundgesetzes. Sie kann jedoch nur geachtet und geschützt werden, wenn wir darin einig sind, dass alle Menschen gleichwertig sind- nicht nur vor dem Gesetz, sondern überall. Rechtsextremisten lehnen eben diese Gleichheit grundsätzlich ab. Sie meinen, einige Menschen seien mehr wert als andere. Rechtsextremismus setzt sich aus verschiedenen diskriminierenden Einstellungen zusammen, von denen einige tief in der Mitte der Gesellschaft verankert sind. Immer geht es darum, eine Person aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe abzuwerten.

Die rechtsextremistischen Parteien NPD und DVU haben 2009 den Einzug in den Brandenburgischen Landtag verpasst. Politische Positionen zeigen sich jedoch nicht nur im Wahlverhalten, sondern im täglichen Umgang miteinander. Wie reagieren wir, wenn ein Afrodeutscher in der Straßenbahn beschimpft wird, die Älteren auf dem Schulhof Nazi-Parolen skandieren oder an einer Häuserwand antisemitische Schmierereien auftauchen? Fast wöchentlich werden in Brandenburg Straftaten aus rechtsextremistischen Motiven verübt. Provokationen gehören für Menschen, die anders sind als die Mehrheit der Deutschen, zum Alltag. Dabei wird Brandenburg in Zukunft auch auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein, um den Wirtschaftsstandort voranzutreiben. Wir brauchen ein offenes und tolerantes Klima, um ausländischen Investoren und Arbeitskräften Perspektiven zu bieten.

Zivilcourage und engagiertes Auftreten gegen Rechts brauchen Raum, um sich zu entwickeln. Persönliche Freiräume, um ein Problem als solches überhaupt wahrzunehmen. Zeiträume, um die Perspektive zu wechseln. Öffentliche Räume, um sich zu informieren, miteinander zu diskutieren und gemeinsam Strategien zu entwickeln. Das Projekt „SPACES – Information, Debatte und Training für Toleranz“ der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg e.V. zielt darauf ab, diese Räume in Brandenburg zu stärken. Informationsveranstaltungen sensibilisieren für ein stärkeres Demokratiebewusstsein. Öffentliche Debatten thematisieren relevante Phänomene des Rechtsextremismus. Gesellschaftspolitisch Engagierte und Professionelle unterschiedlicher Berufsgruppen können an Trainings teilnehmen, um Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Homophobie, Sexismus oder antidemokratischem Verhalten im Berufsalltag energisch entgegentreten zu können.

I. Café de la Tolerance
Von Nord bis Süd - unsere Abendveranstaltungen SPACES „Café de la Tolerance“ richten sich an ein breites, interessiertes Brandenburger Publikum. Sie bieten Raum, um das eigene Selbstverständnis zu hinterfragen, rechtsextreme Einstellungen in der Region zu reflektieren und sich weiterzubilden. Bei den Veranstaltungen werden interessante Neuerscheinungen, sozialwissenschaftliche Forschungsergebnisse oder Auswertungen von aktuellen Wahlumfragen vorgestellt. Hier ist Einmischung erwünscht. In offener Atmosphäre kann aus dem „eigenen Süppchen“ ein gemeinsames Engagement gegen Rechts gekocht werden. 

II. Trainings und Seminare
Um gegen Rechtsextremismus und für Toleranz aktiv zu werden, braucht man neben wichtigen Informationen auch eine gehörige Portion Mut. SPACES Training richtet sich in Seminaren  und Trainings gezielt an Engagierte und Professionelle, die in ihrem Alltag privat oder beruflich mit rechtsextremen Einstellungen konfrontiert werden und etwas dagegen tun möchten. Motivierte Brandenburger, die sich als Verein, Bündnis oder „bunter Haufen“ engagierter Einzelpersonen für eines unserer Angebote interessieren bzw. in Zusammenarbeit mit unserem Team ein ihren Bedürfnissen entsprechendes Angebot entwickeln möchten, sind herzlich eingeladen, Trainings oder Seminare vorzuschlagen, die direkt vor Ort durchgeführt werden. In den Trainings werden Analysen und Reflexionen mit praktischen Übungen verbunden. Die TrainerInnen sind ExpertInnen auf ihrem Gebiet und verfügen neben dem Fachwissen über methodisch-didaktisches Know-how, das mit den TeilnehmerInnen abgestimmt werden kann. So entstehen Trainingseinheiten, die nicht nur genau auf die Bedürfnisse in der Region angepasst sind, sondern auch berufsspezifisch zugeschnitten werden. Denn Übung macht den Meister!

III. Debatte
Der öffentliche Raum gehört uns allen. Wir sind aufgerufen, ihn aktiv demokratisch mit zu gestalten. SPACES Debate veranstaltet Konferenzen, Tagungen und öffentliche Aktionen, die Debatten zu Themen wie Rechtsextremismus und Diskriminierung anstoßen können. Sie eröffnen politisch Engagierten die Möglichkeit, sich weiterzubilden oder geeignete Interventionsstrategien zu entwickeln. Demokratische Werte können wachsen, wenn Koalitionen und Bündnisse gegen Rechts geschlossen werden.

SPACES Debate setzt jedoch nicht nur auf wissenschaftliche Expertisen, sondern auch auf die Zugänge, die Kunst und Kultur schaffen können. Durch die Zusammenarbeit mit engagierten Künstlern und Künstlerinnen - sei es z.B. im Rahmen des Fotoworkshops "Wir sind Beeskow" des Fotografen Andreas Herzau oder der kreativen Ansätze um brandenburgisches Sushi, Oranienburger Gospel oder kanadisch-wittenbergische Schützentreffen des Designkollektivs anschlaege.de - bringen wir Köpfe und Herzen in Bewegung.

Informationen, Broschüren, Downloads
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